Hokus Focus

Ich kann mir schon vorstellen, wie sie sich beim Focus gefreut haben, über die tolle Idee für die aktuelle Jubiläumsausgabe des Nachrichtenmagazins von alten Männern für alte Männer. Die tolle Anspielung auf den Stern-Titel „Wir haben abgetrieben“ – immerhin eine der Sternstunden der deutschen Frauenbewegung. Und dann laute erfolgreiche Frauen, die sagen, warum sie gegen die Quote sind. Und die schauen auch noch ganz annehmbar aus. Ach, was werden sie da schäumen, all diese häßlichen, zickigen Feministinnen, haben sich die Redakteure wahrscheinlich händereibend gedacht. Ich schäume nicht. Ich seufze. Muss das sein? Schon wieder? Immer die gleichen Argumente? Ist zu dem Thema nicht alles gesagt?

Ich mag das nicht alles nochmal durchkauen, aber eines möchte ich gern mal loswerden: Die Erfahrungen, die mich dazu bewegt haben, neuerdings für die Quote zu sein. Früher, als ich noch jung und naiv war, war ich nämlich auch mal gegen die Quote. Ich dachte, das muss sich doch schrecklich anfühlen, Quotenfrau zu sein. Außerdem glaubte ich, dass sich Qualität irgendwann sowieso durchsetzt.

In dem Medienunternehmen, in dem ich volontiert habe, sah das so aus: Schon unter denen, die einen der begehrten Praktikumsplätze ergattern, waren deutlich mehr junge Frauen als junge Männer, meinen Schätzungen nach so ungefähr 80 Prozent. Es wurden auch deutlich mehr Frauen als Männer als Volontäre in die zweijährige Ausbildung übernommen. Der zuständige leitende Redakteur stöhnte gern theatralisch darüber, dass er ja so furchtbar gern mal wieder einen Kerl einstellen würde, aber die Mädels seien einfach alle besser. Auch bei den Anschlussverträgen als Redakteur, die meist auf ein oder zwei Jahre befristet waren, hatten die Frauen eindeutig die Nase vorn. In den drei Jahren, die ich dort war, waren allerdings auch zwei unbefristete Redakteursstellen zu besetzen. Und jetzt ratet mal: Simsalabim, waren plötzlich nur noch männliche Kandidaten in der engeren Auswahl. Zufall? Hat mein Mädchenhirn das mit der Warscheinlichkeitsrechnung einfach nicht kapiert? Hmm. Muss ich noch erwähnen, dass die leitenden Positionen bis auf das Kulturressort sämtlich von Männern besetzt waren und immer noch sind?

Tatsache ist: Wenn ich mir die Typen angucke, mit denen ich studiert habe und die im Wesentlichen ähnlich blöde Entscheidungen getroffen und ähnlich verkorkste Lebensläufe haben (also zum Beispiel: ausgiebig Geisteswissenschaften am Arbeitsmarkt vorbeistudieren, krude Nebenjobs statt schicker Praktika, etc. pp), dann haben die trotzdem irgendwann ordentlich bezahlte, unbefristete Arbeitsverträge ergattert. Während die eigentlich viel qualifizierteren, einsatzfreudigeren, clevereren Kommilitoninnen sich weiter von befristetem Vertrag zur Freiberuflichkeit in die Arbeitslosigkeit und zurückhangeln.

Es fällt mir zunehmend schwer daran zu glauben, dass die alle selber schuld sind. Auch wenn die alten Männer das immer wieder sagen. Auch wenn sie sich dazu hinter hübschen Frauenköpfen verstecken.

(Mehr zum Thema bei der Mädchenmannschaft, siehe auch die gesammelten Reaktionen in den Kommentaren.)

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6 Gedanken zu „Hokus Focus

  1. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Hokus Focus, das Abendland geht unter! – Die Blogschau

  2. “ Der zuständige leitende Redakteur stöhnte gern theatralisch darüber, dass er ja so furchtbar gern mal wieder einen Kerl einstellen würde, aber die Mädels seien einfach alle besser.“

    Besser in was? Die Mainstreammedien sind ja nicht gerade für den Hort der Wahrheit und der Objektivivtät.

  3. “ Während die eigentlich viel qualifizierteren, einsatzfreudigeren, clevereren Kommilitoninnen sich weiter von befristetem Vertrag zur Freiberuflichkeit in die Arbeitslosigkeit und zurückhangeln“

    Sorry aber noch mehr Lobhudeleien aufs eigene Geschlecht gehen nicht oder?

    Ich muss mich ja als Frau fremdschämen bei solcher maßlosen Selbstüberschätzung.

    Kein Wunder das so Leute nicht hochkommen die sowas vom Stapel lassen.
    So Leute würde ich auch nicht zum Leiter einer Abteilung machen. Selbstkritik fehlanzeige…die „Anderen“ sind halt schuld…

  4. Na, nun mal halblang. Vielleicht habe ich das mißverständlich formuliert, aber dieses qualifizierter, einsatzfreudiger und cleverer war die ausdrückliche Einschätzung der einstellenden Redakteure. Die Bewerberinnen hatten meist zielstrebiger studiert, bereits mehr einschlägige Berufserfahrung gesammelt, die besseren Arbeitsproben vorzuweisen und haben sich auch im Job deutlich mehr reingehängt – so weit jedenfalls die Ansage der Chefs, so lange es nicht um die Besetzung von unbefristeten Stellen ging. Da hieß es dann plötzlich „wir brauchen hier mal wieder einen Mann“. Und das hatte schlicht und einfach etwas damit zu tun, dass man bei den jungen Frauen eben befürchten musste, dass sie irgendwann Kinder kriegen und dann ausfallen und hinterher wohlmöglich auch noch Teilzeit arbeiten wollen. So schlicht gestrickt sind Entscheider leider manchmal. Auch wenn Du und ich das gern anders hätten.

    • “ Na, nun mal halblang. Vielleicht habe ich das mißverständlich formuliert, aber dieses qualifizierter, einsatzfreudiger und cleverer war die ausdrückliche Einschätzung der einstellenden Redakteure“

      Na sicher doch 😉

      Ich würde mal sagen die haben das nur gesagt weil es pc korrekt ist und in der heutigen Zeit nichts abwertendes über Frauen gesagt werden darf.

      Wenn es wirklich so wäre und Frauen wären besser würden sie auch befördert werden.

      Nur weil man Honig ums Maul geschmiert bekommt muss man nicht alles wörtlich nehmen.

      • Im Übrigen kan ich das Rumgeheule mancher Geschlechtsgenossinen nicht mehr ertragen. Klar halten sich für besser weil es ihnen andauerend eingeredet wird aber wenn Andere genommen werden sind natürlich die Anderen Schuld. Totale Selbstüberschätzung und null Selbstreflektion.

        Gründet doch selbst Zeitungen und stellt nur Frauen (oder wen ihr wollt) ein. Hindert euch jemand daran? Haben Männer und Frauen die keine Quoten brauchen ja auch gemacht.

        Oder ein Zuckerberg der mal eben ein Miilardenimperium buchstäblich aus dem Nichts erzeugt. Oder ein Bill Gates.

        Die haben nicht gejammer sondern ihre Chansen genutzt.

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