Glücksforschung

Es gibt da diesen Moment morgens. Wenn Du das Patschen kleiner nackter Füße auf dem Laminat hörst und das Herz sendet diesen freudig-nervösen Doppelschlag den Brustkorb herauf und ein unwillkürliches Lächeln zuckt dir durchs schlafwarme Gesicht. Es fühlt sich wie Glück an. Es findet statt in diesem Bruchteil einer Minute, bevor es Dir gelingt die bleischweren Augenlider aufzustemmen, einen Blick auf den Wecker zu werfen und zu realisieren, dass es fünf Uhr zwei an einem Sonntagmorgen ist.

Und wenn Du dann später und noch müder die Nachbarn im Garten triffst, murmelst Du etwas von „fünf Uhr“ und „schreckliche Kinder“. Und wenn dann zufällig so ein Sozialwissenschaftler mit einem Fragebogen daher kommt, der herausfinden möchte, ob Kinder glücklich machen und Dich fragt, ob Du mit Deinem Leben insgesamt so zufrieden bist, dann wabbert in Deinem Kopf dieses Wort „Ausschlafen“ herum und vielleicht noch ein selbstmitleidiges „Ich habe doch auch die ganze Woche gearbeitet“ und ehe Du Dich versiehst, machst Du das Kreuzchen bei „geht so“ oder „eher nicht“.

Und dann nicken die Nachbarn und der Forscher und denken sich: Haben wir es doch gewußt. Das Leben mit Kindern macht gar nicht glücklich. Es ist einfach nur scheiße anstrengend und deshalb reden sich diese Deppen das nachher schön. Und Du zuckst ein bisschen unbehaglich die Achseln und denkst, na ja, kann schon sein, aber…. Aber das „aber“ formulierst Du lieber nicht, weil, wer will sich schon noch mehr zum Deppen machen, und hinstellen, und kitschiges Zeug labern, von Herzenshüpfern und zuckenden Mundwinkeln.

Und außerdem bist Du ja auch zu müde zum Diskutieren und das eine Kind brüllt vom Kletterbaum und das andere steuert mit einer Fuhre Matsch auf die Terassentür und das Wohnzimmer zu. Und Du zuckst wieder die Achseln und denkst, ach, glaubt doch, was ihr wollt. Aber bitte, legt mir nicht mehr diese blöden Artikel in die Timeline, ja?

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3 Gedanken zu „Glücksforschung

  1. Pingback: Woanders – diesmal mit Dingen von Leuten, Steinhäusern, dem Glück und anderem | Herzdamengeschichten

  2. Sehr toll geschtieben! Hab über den Artikel auch lange nachgedacht und ich stimme dir voll und ganz zu: Es ist dieses „Aber“, das letztlich alles überwiegt.

    Viele Grüße von Julia, die mit einem schlafenden Baby im Arm und dezent nach ausgespuckter Milch duftend diesen Kommentar gerade einhändig tippt und dabei erstaunlich glücklich ist!

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