Die Diskriminierung der Weißbrotesser

Rituale sind ja wichtig für Kinder, sagt man. Zu den wichtigsten Ritualen bei uns gehört die tägliche Leerung der Brotdosen. In die Biotonne. Begleitet vom Stirnrunzeln des Brötchenverdieners. „Dann gib ihnen doch Weißbrot mit, herrgottnochmal“, sagt der Mann tatsächlich. Weißbrot!!! Nur weil das, das einzige ist, das die Kinder essen! „Dann hätten wir sie auch gleich Kevin nennen und drei Stunden am Tag Super-RTL glotzen lassen lassen können“, zische ich beleidigt. Der Italiener versteht das einfach nicht. Nur weil Generationen von kleinen Italienern, Franzosen, Holländern, Türken und was weiß ich noch damit groß geworden sind, bedeutet das noch lange nicht, dass so etwas in einem deutschen Kindergarten akzeptabel ist. Weißbrot geht gar nicht. Weißbrot ist Teufelszeug, ADHS, HartzIV. Wenn ich meinen Kinder Weißbrot mitgebe, bin ich eine schlechte Mutter. Das ist Gesetz. Also schmiere ich weiter Vollkornbrote – für die Erzieherinnen, nicht die Kinder. Allenfalls noch Vollkorntoasts, für den Fall, dass die Kinder mal wirklich, wirklich ausgehungert sind und doch versehentlich Kohlenhydrate zu sich nehmen. Ansonsten lecken sie weiter den Belag ab, essen das beigefügte Frischzeug und bringen die abgelutschten Brotscheiben wieder mit nach Hause, damit ich sie in die Biotonne kloppen kann. Das muss so. Und nein, der Bento-Schnick-Schnack widerstrebt mir nicht nur zutiefst, er hilft auch kein Stück weiter. Außer das jetzt abgelutschte Brotscheiben in Treckerform in der Biotonne liegen. Aber es kann mir niemand nachsagen, ich hätte es nicht versucht.

Dieser Beitrag wurde inspiriert vom hochverehrten Nuf.

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5 Gedanken zu „Die Diskriminierung der Weißbrotesser

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  3. Ist das bei Euch im Kiga so schlimm? Ich gebe mit, was der mini-monsieur isst. Und das ist halt kein Brot (im Kiga). Dafür gibt’s Obst, Gemüse, Käsestückchen, Würstchen, auf Wunsch auch Cornflakes o.ä., mal nen übig gebliebenen Pfannkuchen…
    Ich finde, wenn die Einrichtungen einem bestimmte Lebensmittel /-weisen vorschreiben wollen, sollen sie diese auch anbieten.

    • Na ja, schlimm. Man weist die Eltern halt gern immer wieder daraufhin, dass sich die Einrichtung der gesunden Ernährung verschrieben hat und das bitte schön kein Süßkram in den Brotdosen landen soll. Finde ich soweit auch in Ordnung. Ich halte das sogar für eine großartige Chance, immerhin essen die Kinder in Gesellschaft/woanders plötzlich Dinge, die zuhause bloß zu Grimassen und Bääääh-Rufen führen. Ansonsten wird sehr subtil gearbeitet, so mit Bemerkungen wie „Oh Friedrich, du hast ja wieder ein tolles gesundes Frühstück mit“ oder eben auch „Ach Chayenne, hat die Mama wieder Toast mit Nutella eingepackt?“… Ich halte allerdings die hysterische Ablehnung von hellem Brot für total übertrieben. Ob etwas gesund ist oder nicht, hängt ja nicht von einer einzigen Komponente ab, sondern davon, wie sich die Ernährung insgesamt zusammensetzt. Und: Ich glaube, manche Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen gehen da schlicht zu weit. Ich erinnere mich an die Empörung einer italienischen Freundin, als ihre Söhne aus der Schule kamen und ihr erklärten, dass sie leider total verantwortungslos sei und ihnen das falsche Zeug mitgebe. Für eine echte italienische Mama ist sowas natürlich eine unfassbare Beleidigung. Quasi ein Infrage-Stellen ihres Mutterdaseins schlechthin. Die übereifrige Lehrerin hat zudem die leckere kalte Pizza in den Mülleimer gedonnert und den Jungs eine schöne Vollkorn-Schnitte aus dem elterngeführten Bio-Café aufgedrängt. Es kam wie es kommen musste: Der Älteste bekam – vielleicht von den ungewohnten Ballaststoffen – Bauchweh, leichten Durchfall und Blähungen und weigerte sich daraufhin standhaft dieses „deutsche Pups-Kacka-Brot“ je wieder anzurühren. Sein kleiner Bruder solidarisierte sich umgehend. Seither verstecken sie sich gemeinsam um den ungesunden Inhalt ihrer Brotdosen zu verzehren, wenn die Lehrerin nicht hinguckt. Hi hi.

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