Zeitgefüge

Manchmal kommt es mir so vor, als würde ich einen Großteil meiner Tage damit verbringen „Los jetzt“ und ähnliche Dinge zu sagen. Unsere Kinder befinden sich noch immer in der seligen Phase, in der das, was sie gerade tun, die wichtigste Sache der Welt ist, in der der Ort, an dem sie sich gerade befinden, der einzig richtige ist. Alles andere erscheint ihnen farblos, reizlos, befindet sich irgendwo dahinten im Nebel.

Der Mann und ich arbeiten mit allen Tricks und ziehen alle Register: Drohungen („wenn du dich jetzt nicht anziehst, setze ich dich im Schlafanzug in den Schulbus“), Belohnungen („wenn du jetzt schnell machst, können wir noch der Müllabfuhr zugucken“), emotionale Erpressung („Willst Du, dass die Mama schon wieder Mecker kriegt auf der Arbeit?“) und ja, ja, in schwachen Momenten brüllen wir sie auch manchmal an.

Alles , um sie zu tauglichen Mitgliedern dieser Gesellschaft zu erziehen, Menschen, die planvoll vorgehen, einen Begriff von Zukunft haben, Bedürfnisse aufschieben können, in to-Do-Listen denken.

Und bei der nächsten Gelegenheit buche ich dann mal wieder einen Meditations-, Yoga- oder Achtsamkeitskurs und blicke auf Postkartenbildchen und Kalendersprüche, mit so einem fetten, grinsenden Buddha, der mich ermahnt, mehr in der Gegenwart zu leben, im Hier und Jetzt und so.

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