Ich wäre so gern eine Latte Macchiato Mama

Ich weiß nicht was das Prenzlberg-Geschimpfe soll. Ich wäre gern eine Latte-Macchiato-Mama geworden. Ich hatte so einen kleinen Film im Kopf. Wie ich mit einem Buch in der einen Hand und einem Cappucino to go in der anderen Hand auf der sonnenbeschienen Bank am Spielplatzrand meiner wilden kleinen Tochter dabei zu sehe, wie sie anderen Kindern die Schaufel auf den Kopf haut. Wie ich ab und zu ein Schwätzchen halte mit der ein oder anderen Mama (oder vielleicht dem ein oder anderen Papa), deren Art mit ihren Kindern umzugehen mir sympathisch ist. Dann kamen die Jungs. Ich stiefelte mit ihnen los, Spielräume, -kameraden, Miteltern erobern. Und stellte fest: Da war nix zu erobern. Die Spielplätze hatten wir fast immer für uns allein. Allenfalls ein paar ältere Kinder ließen sich blicken, so alt, dass sie der elterlichen Aufsicht schon gelegentlich entkommen durften. Kleine Kinder werden hier in umzäunten Gärten gehalten, lerne ich. Versehen mit handverlesenen Sozialkontakten und einem Spielgerätepark, auf den die meisten großstädtischen Kitas neidisch wären. Blöderweise gehören wir irgendwie nie dazu. Das liegt vielleicht daran, dass ich mit den Mamas nicht seit der Grundschule befreundet bin, wie das hier auf dem Dorf sonst üblich ist. Zumindest hoffe ich, dass es daran liegt. Einen anständigen Cappuccino gibt es in fußläufiger Entfernung auch nicht zu erwerben. Nur Automatenkaffee vom Bäcker mit angeschlossener Cafésimulation. Der hat sich immerhin sogar eine Holzbohlen-Terrasse auf den Supermarktparkplatz gebaut. Hübsch rustikal und so. Jedenfalls wenn man sich das Gebäude dahinter, das Panorama, die anderen Gästen und die 08/15-Deko wegdenkt.

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